Diverse Fundstätten beweisen, dass das Unterengadin bereits in der Bronze- und Eisenzeit, also lange vor den Römern, besiedelt war. Siedlungsplätze fand man bei Ardez, Ramosch und Scuol. In römischer Zeit wurde das Engadin auch als Transitweg benutzt. Im Mittelalter besassen die Grafen von Tirol Besitzungen im Unterengadin, die sie dann dem Bischof von Chur schenkten. Im Schwabenkrieg von 1499 plünderten und verwüsteten österreichischkaiserliche Landsknechte alle Engadiner Dörfer. Das Unterengadin blieb bis 1652 unter habsburgischer Landeshoheit.

Lavin war ab dem 13. / 14. Jahrhundert ein geschlossenes Dorf. Kunsthistorisch bedeutend sind die Wandmalereien in der um 1500 erbauten Kirche. Das Dorf wurde 1499 und 1622 durch österreichische Truppen zerstört. Dass sich Lavin in seinem Aussehen heute deutlich von anderen Unterengadiner Dörfern unterscheidet, hat aber mit einem späteren Ereignis zu tun, dem Dorfbrand von 1869. Eine Feuersbrunst und eine Verkettung von unglücklichen Zufällen – defekter Telegraph, Männer an der Viehausstellung in Samedan – legte den Dorfteil zwischen Kirche und Lavinuoz in Schutt und Asche. Den Wiederaufbau überliess man nicht den Lavinern, sondern dieser wurde vom Kanton geplant und durchgeführt. So wurde anstelle der 68 abgebrannten Häuser nur rund die Hälfte wiederaufgebaut. Und dieser Wiederaufbau prägt Lavin bis heute. Denn der Kanton bestimmte nicht nur die Anzahl der neu zu bauenden Häuser, sondern auch den Abstand zwischen ihnen. Dieser wurde auf 6.2 Meter festgesetzt, die Strassenbreite auf 4.5 bis 5 Meter. Weil auch die Laviner Zuckerbäcker waren und viele ihr Glück in Italien suchten und auch fanden, stammten Geld, Pläne und Baumeister zu einem grossen Teil aus dem Süden. Jürg Wirth

Von Guarda blieben im Schwabenkrieg 1499 nur wenige Häuser und die Kirche verschont. Zusammen mit Lavin führte Guarda 1529 die Reformation ein. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Guarda unter der Leitung des einheimischen Architekten Jachen Ulrich Könz restauriert. Für die Pflege der alten Bausubstanz
und die Entwicklung des Dorfes erhielt Guarda 1975 den Wakkerpreis des
Schweizer Heimatschutzes. Das Ortsbild von Guarda ist von nationaler Bedeutung. Jürg Wirth

Ardez war bereits in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt. Erstmals ist in
einer Urkunde von 842 die Rede von einem Ort «Ardezis». Damals soll bei Ardez auch eine Sust, eine Raststätte für Reisende, bestanden haben. Haupteinnahmequelle für die Menschen in Ardez waren Ackerbau und Viehzucht. Heute arbeitet die Mehrheit im Dienstleistungssektor, es gibt aber noch ein Dutzend Bauernbetriebe. Spannend zu wissen ist auch, dass die Weidegebiete der Ardezer Bauern in früherer Zeit bis ins Paznauntal im österreichischen Tirol reichten und dass die Engadiner bis Mitte des 19. Jahrhunderts viel Holz ins Tirol lieferten. Ardez legte von jeher grossen Wert auf Kultur und gute Bildung für seine Bevölkerung. Bereits 1776 führte es eine öffentliche Schule ein, 1895 folgte die Gründung einer Sekundarschule. 1975 wurde Ardez als eines der vier schweizerischen Musterdörfer im Rahmen des europäischen Denkmalpflege- und Heimatschutzjahres gewählt. Jürg Wirth