Landwirtschaft

Biologische Landwirtschaft ist für die drei Dörfer zentral. Weil es im ganzen Unterengadin wenig Niederschläge gibt, müssen die Wiesen bewässert werden. Die Flächen im Talgrund pflegen die Bauern intensiv, je steiler die Hänge und je grösser die Entfernung zum Dorf, desto extensiver wird die Landwirtschaft. Dies zeigt sich auch in der ausserordentlichen Blumenpracht: Arnika, Männertreu, Feuerlilie, Türkenbund oder Knabenkraut und viele mehr wachsen auf den Wiesen über den Dörfern. Die Zusammenarbeit in einzelnen Dörfern ist sehr wichtig. So arbeiten die Bauern in Lavin nicht nur als Einzelkämpfer, sondern organisieren sich auch gemeinschaftlich. Sie sind in einer Maschinengenossenschaft zusammengeschlossen, die Geräte wie Güllenfässer, Förderbänder oder einen Klauenstand kauft und diese nachher den Bauern gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Auch die Alparbeit, Besonderheiten also die Pflege der Weiden, findet gemeinschaftlich statt, genauso wie die Viehtriebe auf die Alp und wieder zurück.

Natur und Klima

Das Unterengadin ist ein inneralpines Trockental. Die durchschnittliche Nieder­schlags­menge beträgt 690 Liter pro Jahr. Nur das Wallis mit rund 600 Litern ist noch trockener. Das Tal liegt im Einfluss von verschiedenen Wetterzonen und weist Mikroklimata auf, was die Wettervorhersage erschwert. Man weiss nie so recht, ob man auf den Wetterbericht für den Süden, fürs Engadin oder für den Osten schauen soll.

Architektur

Architektonisch gesehen sind vor allem Guarda und Ardez Engadiner Musterdörfer.
Alle drei Dörfer sind gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS von nationaler Bedeutung.

Tradition

Chalandamarz ist der bekannteste Engadiner Brauch. «Chalandamarz» bezeichnet in der rätoromanischen Sprache den Beginn des Monats März. An diesem Tag wird der Winter mit Glocken ausgeläutet und der nahende Frühlingsbeginn gefeiert. Der Brauch wird im bekannten Kinderbuch «Schellen-Ursli» von Selina Chönz und Alois Carigiet dargestellt. Schulkinder in Bauernblusen, Zipfelmützen und Trachten ziehen am frühen Morgen mit Glocken und Peitschen um die Brunnen, von Haus zu Haus und singen Chalandamarz-Lieder. Sie sammeln Esswaren und Geld für das gemeinsame Mahl und für die Schulreise

Kunst

Sgraffito ist ein Kunsthandwerk, das viele Engadinerhäuser ziert und das zum unverwechselbaren Charme der Dorfbilder beiträgt. Diese Dekorationstechnik kam im 16. Jahrhundert von Italien nach Graubünden. Beim Sgraffito werden die Ornamente aus einer feuchten, mit Kalk übertünchten Putzschicht durch Schaben und Ritzen bis auf die darunterliegende dunkle Schicht freigelegt.