Tiroler Gailtal

Wintervergnügen mit Öffis

Ein Bergsteigerdorf, 3 Gemeinden, vielfältige Wintersportmöglichkeiten: Die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln v.a. aus Südtirol macht das Bergsteigerdorf Tiroler Gailtal zu einem lohnenden Winterziel im benachbarten Osttirol.

Das Tiroler Gailtal erstreckt sich von Tassenbach bis zur Kärntner Landesgrenze beim Wallfahrtsort Maria Luggau. Im Norden begrenzen die Gailtaler Alpen und Lienzer Dolomiten dieses Hochtal, im Süden befindet sich der Karnische Hauptkamm mit der Grenze zu Südtirol und dem Veneto. Bedingt durch die Höhenlage und die Lage im Südstaubereich der Alpen weist das Gebiet noch eine hohe Schneesicherheit auf. Ideal für viele Möglichkeiten zur „Bewegung aus eigener Kraft“ ganz nach dem Motto der Bergsteigerdörfer.

Winterwanderdorf Kartitsch
Kartitsch, am westlichen Taleingang des Tiroler Gailtals gelegen, hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Winterwanderdorf gemacht. Mehrere zertifizierte Winterwanderwege erschließen den Talbereich und die umliegenden Seitentäler. Die „Königsetappe“ der mit magentafarbenen Tafeln ausgeschilderten Winterwanderwege ist sicher die Wanderung zum Dorfberg (2.115 m). Auch im Hochwinter erreicht man mit Bergschuhen (und Grödel) den Gipfel mit seinem weithin sichtbaren Kreuz und einer grandiosen Aussicht über den gesamten Karnischen Hauptkamm. Der besondere Reiz der Winterwanderungen: Hier kann man ohne alpines Wissen und umfangreiche Ausrüstung die winterliche Landschaft erkunden. Festes Schuhwerk, warme Kleidung und eine kleine Stärkung reichen bereits für bewegte Tage aus. Sämtliche Winterwanderwege verlaufen durch sicheres Gelände bzw. werden bei Gefahr nicht präpariert.

Ausgerüstet mit Schneeschuhen, der notwendigen Sicherheitsausrüstung und ausreichend Erfahrung im Bewerten der Schnee- und Lawinensituation, lassen sich diese Wanderungen zu tagesfüllenden Touren erweitern.

Obertilliach auf schmalen Brettern erleben
Die größte geschlossene Ortschaft des Tales, Obertilliach, hat sich dem Langlaufsport verschrieben. Vom Biathlon und Langlaufzentrum ausgehende finden Liebhaber:innen des nordischen Skilaufs 60 km an sportlich herausfordernden Loipen. Obertilliach wird v.a. im November von mehreren Nationalteams als Trainingsort genutzt.

Wobei, es geht auch etwas gemütlicher: vom Kartitscher Sattel (Bushaltestelle Rauchenbach) ausgehend kann man parallel der Gail bei guten Schneeverhältnissen bis in den benachbarten Kärntner Teil des Tales, stets leicht bergab, laufen − oder besser gesagt „gleiten“. Retour bietet sich dann wieder der Regionalbus an. Mit dem Loipenticket ist die Benutzung gratis.

In Obertilliach ist v.a. der unter Denkmalschutz stehende Ortskern sehenswert. Eine Besonderheit stellen die kleinen, überdachten Brücken dar, mit denen das Wohngebäude der Bauernhöfe im ersten Stock mit dem Stall verbunden ist. In schneereichen Wintern gelangte man so, ohne vorher Schnee schaufeln zu müssen in die Wirtschaftsgebäude.

Skitouren bei Untertilliach
Untertilliach, die kleinste Gemeinde des Tiroler Gailtals, bietet v.a. eines: viel Ruhe. Das Dorf und die umliegenden Weiler sind von der Berglandwirtschaft geprägt. Mehrere private Vermieter bieten Ferienwohnungen an. In Untertilliach befindet sich der Ausgangspunkt zu mehreren lohnenden, teilweise alpin herausfordernden Skitouren.

Tourentipps Winter
Skitouren im Winklertal (Untertilliach) – Reiterkarspitze (2.422 m) – unendliche Weiten

Vorgestellt wird stellvertretend die Reiterkarspitze und ein paar Varianten, die sich in unmittelbarer Nähe dieses Gipfels befinden. Von der Haltestelle Untertilliach-Winkl erreicht man in ein paar Minuten Gehzeit die historischen Soldhäuser auf der gegenüberliegenden Seite des Tales.

Auf einen Blick

  • Schwierigkeit: mitteI
  • Exposition: N-O
  • Lawinengefährdung: mittel
  • Dauer 3.30 Std.
  • Höhenunterschied: ca. 1.200 Hm

Hier heißt es bereits Ski anschnallen und es geht eine knappe Stunde taleinwärts. Im Talschluss angekommen geht es am Ende einer leicht ansteigenden Almwiese in südwestlicher Richtung „endlich“ etwas steiler bergauf, hinein in die weitläufigen Osthänge der Reiterkarspitze.
Der Aufstieg erfolgt stets taleinwärts – diagonal nach oben, könnte man sagen – als Orientierungspunkt dient die Oberalm. Von dort geht es die letzten rund 100 Höhenmeter in westlicher Richtung hinauf zum Kamm und man erreicht den Gipfel schlussendlich aus südlicher Richtung kommend über einen breiten Grat. Die Abfahrt erfolgt entlang der Aufstiegsspur mit viel Platz zu beiden Seiten. Ein wichtiger Tipp: egal wie verlockend der Hang unterhalb des Gipfels auf der Ostseite aussieht, er sollte unbedingt gemieden werden! Hier liegen gerne trügerische Triebschneepakete, die im Falle einer Auslösung Lawinen mit sehr großer Ausdehnung zur Folge haben können!

Varianten: Sollten die Schneeverhältnisse im Osthang der Reiterkarspitze eher „bescheiden“ sein, kann man vom Gipfel über den Grat nach Südwesten ein paar Höhenmeter abfahren und bei der Reiterkarscharte nordwestlich ins weitläufige Oberkar einfahren. Unterhalb der Karalpe quert man kurz über einen Forstweg in nördliche Richtung, um in den Osthang des Spitzköfeles (2.314 m) – ebenfalls ein lohnendes Tourenziel – zu gelangen und fährt von hier weiter über das Rollertal ab. Von der Gailbrücke sind es knappe 5 Minuten Gehzeit zur Bundesstraße und der Haltestelle Obertilliach-Bergen. Sollte es die Kondition noch zulassen, kann man von hier über die Loipe zum Ausgangspunkt der Tour skaten.

Das Winklertal bei Untertilliach bietet noch mehr Auswahl für Skibergsteiger:innen, vom Talschluss erreicht man mehrere lohnende und anspruchsvolle Tourenziele. Nördlich der Reiterkarspitze liegt der Huitlahnerkogel (2.230 m) mit perfekten Skihängen nach Osten und Westen. Den südlichen Abschluss des Tals bildet die Cima Manzon (2.330 m), welche bei günstigen Schneeverhältnissen über die Moser Scharte (Forcella Val Mezzana) bestiegen wird. Östlich der Scharte bietet sich zusätzlich der Gamskofel (Cima Mezzana, 2.415 m) als Ziel an.
Die bergsteigerisch herausforderndste Skitour im Gemeindegebiet von Untertilliach ist jene auf die wuchtige Pyramide des Hochspitz (2.581), den höchsten Gipfel im Tal. Diese Tour erfordert ebenfalls sehr günstige Schneeverhältnisse.

Eisklettern
Südlich von Kartitsch überwindet der Wasserfall im Talschluss des Winklertals (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Winklertal bei Untertilliach) in mehreren Abschnitten rund 200 Höhenmeter. Drei Seitentäler weiter östlich im Leitertal findet sich, sofern die Temperaturen tief genug sind, noch ein „Eisfall“ der sich zum Eisklettern eignet und knapp 60 Meter Höhendifferenz aufweist. Beide Wasserfälle können von den jeweiligen Bushaltestellen gut erreicht werden. Der Zustieg sollte nur bei geringer Lawinengefahr erfolgen.

Das Tiroler Gailtal ist mit einer gut getakteten Busverbindung von den Bahnhöfen in Sillian bzw. Tassenbach erschlossen. Die Anreise aus Südtirol erfolgt am besten über die Schnellbahnverbindung durch das Pustertal (Bozen – Lienz).

Bei einigen Skitouren geht es direkt von der Bushaltestelle mit Skiern los, bei anderen reichen ein paar Minuten zu Fuß, um zum Toureinstieg zu gelangen. Gleiches gilt für Winter-, Schneeschuhwanderungen und das Langlaufen.

Hier eine kleine Tourenauswahl nach Bushaltestellen geordnet:

  • Kartitsch, Gemeindeamt: Loipeneinstieg und Winterwandern
  • Kartitsch, Rauchenbach: Skitouren Öfenspitze (2.334 m), Hochegg (2.477 m) und über das Erschbaumertal auf die Große Kinigat (2.689).
    Loipeneinstieg | Winterwanderung Dorfberg (2.115 m)
  • Kartitsch, Äußerst: Skitour und Winterwanderung Dorfberg (Gailtaler Alpen)
  • Obertilliach, Leiten: Skitouren Reslerknollen (2.306 m), Tscharrknollen (2.482 m), Filmoorsattel (2.453 m) und Große Kinigat (2.689 m)
  • Obertiliach, Biathlonzentrum: Skitour Hoher Bösring (2.324 m) | Loipeneinstieg
  • Obertilliach, Hotel Weiler: Skitour und Skigebiet Golzentipp (2.317 m) – Gailtaler Alpen | Loipeneinstieg
  • Obertilliach, Bergen: Skitouren Spitzköfele (2.314 m) und Reiterkarspitze (2.422 m)
  • Untertilliach, Winkl: Skitouren Reiterkarspitze (2.422 m), Cima Manzon (2.415 m), Huitlahnerkogel (2.230 m), Hochspitz (2.581 m) | Loipeneinstieg

Jan Salcher, ist seit Jahren Mitarbeiter bei den Bergsteigerdörfern und lebt im benachbarten Bergsteigerdorf Lesachtal.

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