Kreuth – bergig, griabig, natürlich

Vier Elemente, vier Himmelsrichtungen, vier Jahreszeiten – und seit dem Sommer 2018 auch vier bayerische Bergsteigerdörfer. Nach Ramsau, Sachrang und Schleching darf sich seit Juli auch die Gemeinde Kreuth (Landkreis Miesbach) mit dem hochgeschätzten Siegel schmücken.

Das Bergsteigerdorf-Emblem mit dem grünen Fußabdruck neben stilisierter blauer Skispur – es ist hier unterm Leonhardstein gut aufgehoben. „Wir haben uns sehr bewusst um die Auszeichnung bemüht“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider, „weil sie gut zu unserem Dorf, unserer Denkweise und natürlich zu unserer Landschaft passt.“ Da ist das breite bergsteigerische Angebot, das von leichten Almwanderungen über anspruchsvolle Touren in alpinem Gelände bis zur Felskletterei in bestem Kalk reicht. Da sind Naturschönheiten, wie das flora- und faunareiche Landschaftsschutzgebiet Weissachau oder das Hochplateau um Wildbad Kreuth, die fast immer auch in einem engen Kontext mit der Historie des Kreuther Winkels stehen. Der wurde zunächst von den Patres des nahen Benediktinerklosters Tegernsee, später von der bayerischen Herrscherfamilie der Wittelsbacher geprägt. Eine Spurensuche lohnt sich, droben auf der einmalig schönen Königsalm ebenso wie bei der Herzoglichen Fischzucht im Tal der Hofbauernweissach. Und dass die „Heumilchrebellen“ von der Naturkäserei TegernseerLand ihren Sitz auf Kreuther Flur haben, ist natürlich auch kein Zufall.

Hinter und über allem steht die spezielle Mentalität der Kreuther, die – obwohl durch den Ortsteil Ringsee selbst Seeanlieger – ihre Distanz zum mitunter flirrenden Getriebe „draußen“ am See seit jeher selbstbewusst und ein bisserl augenzwinkernd pflegen. In Kreuth ruht man in sich, das spüren und schätzen auch die Gäste. Über 200 Jahre ist es her, dass die ersten Sommerfrischler hier Ruhe, Naturerlebnis und lebendiges Brauchtum suchten und fanden. Heute ist der heilklimatische Kurort, der sich im Süden bis zur österreichischen Grenze erstreckt, längst ein Ganzjahresziel – und das nicht zuletzt deshalb, weil er sich seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Eine bodenständige Landwirtschaft, Handwerker, die zu den Besten ihres Fachs gehören, Almen und Wirtshäuser und ein quicklebendiges Vereinsleben gehen dabei Hand in Hand mit der bewussten Entscheidung für einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen. „Unsere über die Jahrhunderte gewachsene, von unseren Bauern gepflegte Kulturlandschaft, unsere unberührte Natur und unsere Traditionen sind ein großer Schatz“, sagt Josef Bierschneider. „Ihn wollen wir künftigen Generationen weitervererben und unseren Gästen langfristig als Genuss für Seele und Körper anbieten.“

Die dürfen sich fortan nun also in einem frisch gekürten Bergsteigerdorf wohlfühlen, ob sie es nun sportlich ambitioniert oder gemütlich angehen wollen. Um die Bergsteigerdorf-Idee „kreutherisch“ mit Leben zu erfüllen, hat sich die ganze Dorfgemeinschaft ins Zeug gelegt. Auf dass das vierte bayerische Bergsteigerdorf der Gams in seinem Gemeindewappen alle Ehre macht!