Eine slowenische Berginstitution ist 120 Jahre alt geworden

Die Češka Koča/Tschechische Hütte in den Steiner Alpen (Kamniške Alpe) ist die älteste alpine Schutzhütte Sloweniens.

Wir blicken zurück in das Jahr 1897

In den Bergen Südkärntens und Sloweniens sind tschechische Landvermesser mit topographischen Aufnahmen und Erstellung von Landkarten beschäftigt. Slowenien ist bäuerlich geprägt und tschechische Industrielle errichten Filialfabriken im Raum Kranj und Ljubljana. Bergsteigen ist vor allem im gehobenen Bürgertum sehr beliebt. In den Alpen werden überall Berghütten errichtet. Vielfach wird die Finanzierung zum Bau der Hütten durch wohlhabende Personen unterstützt. Der Österreichische Touristenklub ist schon in Eisenkappel seit 1877 mit seiner ersten Sektion vertreten und maßgebend an der touristischen Erschließung der östlichen Karawanken und Steiner Alpen tätig. Nach dem Vorbild der Deutschen, die viele Hütten im Alpenraum errichteten, haben auch die Tschechen damit begonnen Stützpunkte in den Alpen zu bauen. Einer der bekanntesten ist wohl Johann Stüdl, der Errichter und Namensgeber der berühmten Hütte am Großglockner. In diesem Umfeld wird in Prag die Tschechische Sektion im Slowenischen Alpenverein (SPD – Slovensko planinsko društvo) gegründet.

Der bekannte Grazer Naturforscher und Mitglied des ÖTK, Professor Dr. Johannes Frischauf fand schon 1875 einen Durchstieg in der Nordwand der Grintovci (Steiner Alpen) an der nördlichen, der Seeländer Seite (Jezersko). Dieser wurde mit Hilfe der Einheimischen begehbar gemacht und mit Stahlseilen gesichert. Der Weg erschließt den Zustieg zum höchsten Gipfel der Steiner Alpen, den Grintovec (2.558m) und wurde sofort von den Bergtouristen angenommen. Heute trägt dieser Anstieg auch den Namen dieses berühmten Forschers; „Frischaufov pot“ / Frischauf Weg. Prof. Frischauf wurde zum Ehrenmitglied des Slowenischen Alpenvereins ernannt und es wurde ihm auch die Ehrenbürgerschaft von Jezersko zuteil.

Den tschechischen Bergsteigern sind die Steiner Alpen / Kamniške Alpe schon längst bekannt und von Begeisterung getrieben wurde der Plan gefasst auf ihre Initiative und durch sie finanziert auch hier einen Stützpunkt zu bauen. Zunächst verfolgte man die Idee der Errichtung im oberen Kar (Zgornje Ravni), unmittelbar unter den Nordabstürzen des Grintovec. Der Bürgermeister von Jezersko und Landtagsabgeordnete Franc Muri, stieg in Begleitung von Baurat A. Lando aus Prag und Franc Kocbek, Obmann der Sektion Savinjsko des Slowenischen Alpenvereins, in das Kar „Zgornje Ravni“ auf um die künftige Position der Hütte festzulegen. Doch bald waren sich die drei einig, daß die Hütte hier den massiven Lawinen des Winters ausgesetzt wäre und man einen besseren Standort 200m tiefer auf „Spodnje Ravni“ festlegte.

Der Standort war nun gefunden. Ein Lärchenwald bot darüber hinaus auch noch das Bauholz zur Errichtung der Blockwände, der Decken- und Dachkonstruktion. So konnte man mit den Bauarbeiten schon 1897 beginnen. Die Arbeiter rekrutierte man aus den einheimischen Seeländern, und aus den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß die Leistungen gut bezahlt wurden. Die notwendigen Bäume konnten gefällt werden um ein Jahr zu trocknen. Zwei Kalkgruben wurden an der Baustelle eingerichtet um mit den reichlich vorhandenen Steinen das Fundament und das Kellergeschoss zu bauen. Eine Hütte für die Bauarbeiter wurde ebenfalls errichtet. Unter großen Anstrengungen hat man für die Ausbauarbeiten das restliche Material vom Ort Jezersko über das Gehöft „Makek“ und die Stular Alm / Štularjeva Planina zur Baustelle geschafft. Hierzu musste der Zustieg von der Stular Alm bis zur Baustelle, welcher durch felsiges Gelände führt, erst einmal hergerichtet und mit Seilen gesichert werden.

Die Hütte wurde als Blockhaus nach Plänen der Tschechen errichtet. Ebenso die Inneneinrichtung, welche gediegen, doch ohne luxuriöser Schnörkel ausgeführt wurde. Die Kosten wurden mit 30.000 Kronen angegeben. Am 26. Juli 1900 um 11:00 Uhr wurde das Gebäude als Tschechische Hütte / Češka Koča von Pfarrer Jakob Aljaž aus Mojstrana (Bergpionier, Erschließer der Wege auf den Triglav u.v.m.) und Pfarrer Schieter aus Prag eingeweiht. Es waren über dreihundert Gäste anwesend und in Ansprachen von Franc Orožen (Präsident des Slowenischen Alpenvereins) und Ivan Hribar (Bürgermeister von Ljubljana), wie auch dem Hauptakteur der Festivitäten Prof. Dr. Karel Chodounsky (Präsident der Tschechischen Sektion des Slowenischen Alpenvereins) und dem sehr verdienstvollen Bürgermeister Franc Muri wurde eine Rückschau in die Zeit der Errichtung und Projektentwicklung gegeben.

Franc Ekar hebt in seinen Recherchen hervor, daß auch Prof. Frischauf großen Anteil an der Verwirklichung des Projektes hatte. Vor allem aber verweist er auf den Bürgermeister Franc Muri, der keine Anstrengungen und Mühen scheute und sich die größten Verdienste um den Hüttenbau erworben hat. Als Hüttenwirt wurde der Bergführer, Bergretter und Alpinist Jernej Krč eingesetzt, der zuvor schon von 1897-1899 Wirt auf der Cojzova Koča, auf der Südseite des Grintovec, war.

1900 hatten die Tschechen somit ihre erste Hütte in Slowenien gebaut. Weitere sollten folgen. 1909 wurde noch die Koritnica Hütte in den Julischen Alpen errichtet. Dann setzten der erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskriese der zwanziger Jahre und der zweite Weltkrieg den Aktivitäten der Tschechen ein schmerzvolles Ende.

Ein Zeitsprung führt uns nun schon in die unrühmliche Zeit des zweiten Weltkrieges.

In den Kriegswirren wurden einige Schutzhütten in Brand gesteckt. Angeblich sollte dieses Schicksal auch der Češka Koča zuteilwerden, die ja nahe der Grenze zu Österreich liegt. Dem damaligen Bürgermeister von Jezersko, Alpinist und Bergretter Vinko Tepina ist es zu verdanken, daß dies verhindert werden konnte.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Jugoslawien alles neu geordnet, so auch im Bereich der alpinen Vereine. Die Češka Koča wurde 1946 der Alpenvereinssektion Kranj zugeteilt. Schließlich konnte im Jahr 1948 in Jezersko eine eigene Sektion des Slowenischen Alpenvereins gegründet werden und die Hütte wurde dieser Sektion übertragen. Im Zuge der Loslösung Sloweniens aus dem Jugoslawischen Staatenbund wurden die Besitzverhältnisse rund um die alpinen Schutzhütten wieder neu geordnet. So ist die Češka Koča heute im Besitz der Gemeinde Jezersko und wird der Alpenvereinssektion Jezersko zur Bewirtschaftung überlassen.

Rückblick – Status quo – Ausblick

Schon um 1900 bewirkte die Eröffnung der Češka Koča einen Anschub der touristischen Entwicklung in Jezersko. Die Mobilität der Menschen war damals nicht so gegeben wie heute. Man musste oftmals den Weg nach Jezersko zu Fuß oder per Pferdefuhrwerk antreten. Autos gab es nur spärlich. So wurde der Ort Jezersko zum ersten Stützpunkt für Besteigungen der Steiner Alpen von der Nordseite aus. Viele Seeländer haben sich dieser Entwicklung angepasst und Touristen eine Unterkunft geboten. Manchen wurde der Tourismus zum Standbein, anderen wiederum zur zweiten Einnahmequelle. Die Ereignisse der beiden Weltkriege waren grobe Einschnitte. Nach dem zweiten Weltkrieg erholte sich der Ort langsam. Die Češka Koča war wiederum das „Zugpferd“ und bildete weiterhin den Ausgangspunkt für alpine Unternehmungen in den Steiner Alpen.

Mit steigender Mobilität der Menschen hatten einige Schutzhütten Einbrüche in den Nächtigungszahlen zu verzeichnen. So auch dieses Haus. Doch die Beliebtheit der Hütte blieb ungebrochen. 1969 wurde unter großen Anstrengungen eine Materialseilbahn errichtet, die eine Bewirtschaftung und Versorgung der Hütte enorm erleichterte. Das Jugoslawische Ski-Nationalteam mit dem damaligen Slalomspezialisten, der Skilegende Bojan Križaj nutzte die Lawinenkegel rund um die Hütte zum sommerlichen Training. 1974 wurde die Hütte im Kellergeschoss mit der Errichtung von Sanitärräumen und Zimmern sehr sensibel erweitert. Optisch ist die Vergrößerung kaum zu erkennen. Bis dahin gab es in der Hütte kein Fließwasser! Mittlerweile wird das Abwasser in einer biologischen Kläranlage gefasst und 2017 wurden die Sanitäranlagen erneuert.

Die Hütte ist nunmehr schon über 60 Jahre mit der Familie Karničar untrennbar verbunden, die ebenso wie das Haus selbst unter slowenischen Alpinisten zur Institution wurde. Heute ist Jezersko das erstes slowenische Mitglied im Verbund der Bergsteigerdörfer. Der Erhalt der Hütte und der sensible Umgang mit der alpin-touristischen Infrastruktur hat auch die Gemeindeverantwortlichen immer beschäftigt. Das Bewußtsein, ein Juwel wie die Češka Koča zu bewahren, hat auch diese Entwicklung gestärkt. So war die Aufnahme in den Kreis der Bergsteigerdörfer nur mehr logisch.

Als zentraler Ausgangspunkt für alpinistische Unternehmungen im westlichen Teil der Steiner Alpen ist die Češka Koča weiterhin von großer Bedeutung. Viele Tagesgäste kommen auch um die Ursprünglichkeit der Schutzhütte zu erleben. Dieses Haus steht auch stellvertretend für viele andere als Beispiel für Tradition, Ressourcenschonung, intakter Baukultur und Alpininstitution. Denn seit ihrer Eröffnung am 26. Juli 1900 ist die Češka Koča / Tschechische Hütte nahezu unverändert geblieben.

Fritz Klaura
Nach Informationen und Recherchen von Franc Ekar (Planinsko Zveza Slovenija / Alpenvereinsverband Slowenien)