4. Dezember 2018

Das Gschnitztal und die Gemeinde Luče konnten vor dem internationalen Gremium der Bergsteigerdörfer überzeugen und werden 2019 aufgenommen. Reichenau an der Rax verlässt die Plattform der Bergsteigerdörfer.

Neue Bergsteigerdörfer 2019

Zwei Gemeinden konnten die strengen Kriterien der Bergsteigerdörfer erfüllen und wurden ausgewählt, im nächsten Jahr dem internationalen Netzwerk beizutreten: das Gschnitztal in Tirol und Luče in Slowenien. Damit entscheiden sich die Gemeinden, gemeinsam mit den Alpenvereinen auf einen nichttechnisierten, authentischen und umweltschonenden Bergtourismus hinzuarbeiten.

Als Ausgangspunkt für sieben Dreitausender und viele weitere anspruchsvolle Berg- und Skitouren in den Stubaier Alpen, die Gschnitztaler Hüttentour und einige Klettersteige bietet das Gschnitztal mit seinem majestätischen Talschluss die besten Voraussetzungen für Bergsteiger. Das Seitental des Wipptals konnte sich eine außergewöhnliche Biodiversität und unberührte landschaftliche Kleinode erhalten. Die Gemeinden Trins und Gschnitz sehen im Beitritt zu den Bergsteigerdörfern die Chance, ihren authentischen Charakter zu erhalten und das alpinistische Potential des Tals hervorzuheben.

Eingebettet in die malerische Karstlandschaft der Steiner Alpen mit der Raduha – einem der schönsten Aussichtsberge der Region – zieht der kleine Ort Luče seit Mitte des 19 Jahrhunderts Wanderer und Bergsteiger an. So ist er eng mit der Gründung der Slowenischen Bergsteigergesellschaft verbunden. Biodiversität, natürliche Schönheit und Kulturerbe wie die gelebte Hausmannskost sind Werte, die Luče auch für zukünftige Generationen erhalten will. Dabei kann sie das nachhaltige Entwicklungsmodell der Bergsteigerdörfer unterstützen.

Der offizielle Betritt der neuen Bergsteigerdörfer erfolgt mit den Beitrittsfeiern, bei der sich die Gemeinden zur Philosophie der Bergsteigerdörfer der Alpenvereine bekennen. Diese werden im Frühling und Sommer 2019 stattfinden – die Termine werden an dieser Stelle rechtzeitig bekanntgegeben.

Reichenau an der Rax

Nach zehn Jahren beendet Reichenau an der Rax die Kooperation mit der Initiative Bergsteigerdörfer, da sich die Gemeinde von nun an noch stärker als bisher über ihren Kur- und Gesundheitstourismus definiert. Der Österreichische Alpenverein bedankt sich für die langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit und wird diese mit den Sektionen vor Ort in gemeinsamen Bereichen, wie Schutzhüttenbetreuung und Wegeerhaltung, weiterführen.

Allgemeine Informationen

Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein hochwertiges Tourismusangebot für Bergsteiger und Bergwanderer, weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und engagieren sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur- und Naturwerte.

Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg. Diese Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer erstreckt sich auch auf das aktive Bemühen, das Ziel der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum zu verwirklichen. Die Förderung und Weiterentwicklung der Bergsteigerdörfer steht im Einklang mit den Durchführungsprotokollen der Alpenkonvention.

  • Tourismus im Ort oder in der Region nachhaltig und naturnah zu denken. Alpinismus und das bewusste, ganzheitliche Naturerlebnis stehen dabei im Vordergrund. Das bedeutet auch, sich bei technischen Großerschließungen im Alpenraum zurückzuhalten.
  • Die prägenden Elemente der Kulturlandschaft erhalten (z.B. Almen, Bergwälder) und die Beziehungen von Produzenten und Konsumenten auf lokaler und regionaler Ebene stärken. So wird die Berglandwirtschaft gestärkt, die wiederum die Landschaft und ihre regionalen Besonderheiten pflegt.
  • Sich für Natur- und Landschaftsschutz einzusetzen und Schutzgebiete vor Ort zu unterstützen.
  • Sich für Erhalt und Verbesserung des öffentlichen Personenverkehrs einzusetzen, wobei besonders auf die Bedürfnisse von Gästen geachtet wird.
  • Eine Gemeindeentwicklung anzustreben, in der die Balance zwischen einer lokalen oder regionalen nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung in Einklang mit dem Schutz der Natur und gelebter Kultur steht. So können sich die Bergsteigerdörfer selbst treu und authentisch bleiben.
  • Die Alpenkonvention auf Gemeindeebene umsetzen und so zu einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum beitragen.

Das Netzwerk der Bergsteigerdörfer umfasst derzeit 27 Bergsteigerdörfer, mit der Aufnahme von Luče und dem Gschnitztal werden es 29.

Die Initiative des Österreichischen Alpenvereins besteht seit 2008 und wurde 2016 zu einem grenzübergreifenden Projekt der Alpenvereine. Inzwischen wird das Projekt gemeinschaftlich von ÖAV, DAV, AVS, PSZ und CAI getragen.

Die Grundsätze der Bergsteigerdörfer:

  • Nähe ohne Respektlosigkeit
  • Genuss auf hohem Niveau
  • Bewegung aus eigener Kraft
  • Anregung ohne Hektik
  • Belebtheit ohne Lärm