Jezersko, die erste zum Bergsteigerdorf ernannte slowenische Gemeinde

Im Rahmen des Tages der Alpenkonvention am 26. Mai 2018 trat die Gemeinde Jezersko feierlich dem internationalen Netzwerk der Bergsteigerdörfer bei. Zusammen mit dem Slowenischen Alpenverein (PZS) setzt sie sich damit für einen nachhaltigen Tourismus ein. Zu dessen Grundsätzen zählen die bergsteigerische Bewegung aus eigener Kraft und ohne ein Übermaß an technischer Infrastruktur, Verantwortung für die Natur und ein respektvoller Umgang mit dem lokalen Kultur- und Naturerbe.

Das internationale Netzwerk der Bergsteigerdörfer verbindet Orte, deren touristisches Angebot an die Traditionen des Bergsteigens anknüpft, insbesondere an ein Bergsteigen, das ohne ein Übermaß an touristischer Infrastruktur auskommt und im Sinne der Nachhaltigkeit wirkt. Bergsteigerdörfer erfüllen damit in besonderem Maß die Ziele der Alpenkonvention, welche sich für eine nachhaltige Entwicklung des gesamten alpinen Raums einsetzt. Das Projekt wird von den Alpenvereinen Österreichs (ÖAV), Deutschlands (DAV), Südtirols (AVS), Italiens (CAI) und Sloweniens (PZS) getragen. Der Projektträger auf der Sonnenseite der Alpen ist der Slowenische Alpenverein, unterstützt vom slowenischen Ministerium für Umwelt und Raumordnung, das für die nationale Umsetzung der Alpenkonvention zuständig ist, und vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Technologie. Derzeit nehmen 25 Ortschaften in Österreich, Bayern, Südtirol, Italien und – mit Jezersko als Vorreiter – Slowenien teil. Bis Ende des Jahres werden noch das deutsche Kreuth, das Südtiroler Lungiarü und das italienische Val di Zoldo folgen.

Orte, die zu Bergsteigerdörfern ernannt werden, zeichnen sich durch ihre ruhige Berglage aus, durch geringe Größe, lebendige Bergsteigertradition und das damit zusammenhängende Kulturerbe, sowie ihr Bekenntnis zum Naturschutz. Ebenfalls von Bedeutung ist ein Angebot an Aktivitäten, das den Besuchern einen Vitalurlaub ohne ein Übermaß an Infrastruktur ermöglicht, sie zur Erkundung der lokalen Geschichte, kultureller und anderer Sehenswürdigkeiten einlädt und ihnen die Gastfreundschaft und Küche der Region vermittelt. Damit trägt das Projekt auch zur Entwicklung der örtlichen Wirtschaft bei und bietet der jüngeren Generation Zukunftsperspektiven in ihrem Herkunftsort. Jezersko hält eine Fülle an alpinen Erlebnissen bereit: Mit ihrem dichten Netz von Spazierwegen und Bergpfaden bietet die Region Wanderfreuden aller Schwierigkeitsgrade, eine reiche Auswahl an Klettertouren im Sommer und Winter, märchenhafte Tourenskifahrten, anspruchsvolle extreme Abfahrten und kilometerlange Skilanglaufstrecken. Auch Bergradfahrer, begeisterte Schlittschuhfahrer und Schneeschuhgänger kommen auf ihre Kosten.

“Wir sind stolz auf unsere Vorfahren, die es geschafft haben, die Natur der Region Jezersko in einem weitgehend unberührten Zustand zu erhalten. Jetzt ist es an uns, unseren Nachfahren den Ort Jezersko trotz der Herausforderungen unserer Zeit in seinem ursprünglichen Zustand zu hinterlassen. Dass Jezersko in der Vergangenheit keine umfangreiche Tourismus- und sonstige Infrastrukturen entwickelt hat, wurde lange als ein bedeutender Mangel betrachtet. Heute ist uns aber klar, dass wir es gerade wegen dieses Mangels an großen Hotelkomplexen und anderen touristischen Infrastrukturen geschafft haben, unsere Umwelt, auf die wir sehr stolz sind und die uns gleichzeitig eine hohe Lebensqualität ermöglicht, zu bewahren. Ich bin überzeugt, dass mit angemessener Planung diese natürlichen Gegebenheiten noch an Wert gewinnen werden. Mit der Entwicklungsstrategie, die für Jezersko vereinbart wurde, haben wir uns klar verpflichtet, sowohl die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde als auch einen nachhaltig orientierten Tourismus zu fördern. Die Bestimmungen der Alpenkonvention und ihre Vision der Entwicklung von Bergsteigerdörfern stimmen völlig mit unserer Entwicklungsstrategie überein. Durch das Projekt Bergsteigerdörfer ist es uns möglich, Besucher anzusprechen, für die unsere unberührte Natur von großer Bedeutung ist und die diese wundervolle Alpenwelt genießen und respektieren”, waren die stolzen Worte von Jure Rebolj, dem Bürgermeister der Gemeinde Jezersko.

Jezersko, am Fuße der Steiner Alpen und der Karawanken gelegen, wird in einem Strategiepapier des slowenischen Umweltministeriums als eine von hundert außergewöhnlichen slowenischen Landschaften aufgeführt. Es ist als national prägendes Landschaftsgebiet ausgewiesen. Wie in einem Amphitheater umschließen die Berge das Makekova-Kočna- und das Ravenska-Kočna-Tal; zum Westen hin öffnen sich die spärlich besiedelten Täler Komatevra und Podstoržič. Das Dorf erstreckt sich mit einer Vielzahl von Gehöften vom Fluß Kokra im Süden bis zum Grenzübergang Jezerski vrh (Seebergsattel) im Norden. Der Tourismus in Jezersko kann sich einer außergewöhnlichen Berglandschaft rühmen, die dem Ort seine Identität verleiht. Eine reiche geologische Geschichte, begeisternde Bergwände, weite Wälder, das Gletschererbe, biologische Vielfalt, urige Gehöfte und ein reiches Bergsteiger- und Alpinerbe machen den Zauber von Jezersko aus, das darauf wartet, von Ihnen erkundet zu werden. Nehmen Sie sich Zeit und entdecken Sie, was Jezersko an Geschichten und Erlebnissen bietet – oben in den Bergen und unten im Tal.

Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Alpen und hat eine enorme Entwicklung erlebt. Damit einher gehen jedoch auch problematische Begleiterscheinungen, welche die Alpenländer mit der Ratifizierung der Alpenkonvention möglichst stark zu begrenzen versuchten.

„Das internationale Projekt Bergsteigerdörfer setzt die Alpenkonvention in der Praxis um, denn es verbindet Gemeinden, die sich für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Ortschaften einsetzen. Der Slowenische Alpenverein möchte mit der Einführung des Projekts den nachhaltigen Tourismus in jenen kleineren slowenischen Bergorten unterstützen, die auf eine lange Bergsteigertradition zurückblicken können und ihre Entwicklung gemäß der Prinzipien dieses Projekts gestalten wollen. Hervorheben möchten wir auch die bedeutende Rolle, welche die Bergsteigerei, die Bergwege und Alphütten für diese Entwicklung spielen. Wir hoffen, dass dieses Projekt in Slowenien künftig auch Gelegenheit bietet, bewährte Methoden und Erfahrungen anderer Ortschaften zu übernehmen, die an dem Projekt Bergsteigerdörfer teilnehmen“, betont Miro Eržen, Vizepräsident des Slowenischen Alpenvereins, der das Projekt Bergsteigerdörfer auf nationaler Ebene trägt.

An der Feier in Jezersko nahmen auch die Projektleiterin der Bergsteigerdörfer beim Österreichischen Alpenverein Liliana Dagostin, die Ministerin für Umwelt und Raumordnung der Republik Slowenien Irena Majcen, die Staatssekretärin beim Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Technologie Eva Štravs Podlogar, der Präsident des Slowenischen Alpenvereins Jože Rovan, die Präsidentin des CIPRA International Katharina Conradin und der Generalsekretär der Alpenkonvention Markus Reiterer teil, der bei dieser Gelegenheit sagte: „Ich gratuliere Jezersko, dem ersten Bergsteigerdorf Sloweniens, und dem Slowenischen Alpenverein für die Koordination dieses Projekts in Slowenien. Ich bedanke mich auch beim Österreichischen Alpenverein für die Initiierung und Durchführung des Projekts Bergsteigerdörfer in all diesen Jahren. Ich betrachte die Bergsteigerdörfer als ein Projekt, das die Alpenkonvention umsetzt, und es freut mich sehr, dass wir vor einigen Jahren unsere Zusammenarbeit auch in Form eines Memorandum of Understanding formalisiert haben. Jezersko, seine Bewohner, Traditionen und seine wunderschöne Lage verkörpern den echten Geist des Alpinismus, seine Motivation und sein Engagement! Es freut mich ebenfalls sehr, dass diese feierliche Aufnahme Jezerskos am Tag der Alpenkonvention stattfindet und in so enger Zusammenarbeit mit vielen alpinen Akteuren wie CIPRA International und Allianz in den Alpen.“