Wege der Freundschaft
Drei Wege durch Bergsteigerdörfer, die das Verbindende in den Vordergrund stellen.
Julius Kugy Dreiländerweg
Julius Kugy (1858-1944) steht dem grenzübergreifenden Gedanken im Südalpenraum Pate. Als Bergsteiger machte er sich mit Erstbegehungen, v.a. in den Julischen Alpen, einen Namen – zudem war er als Botaniker, Musiker und in späteren Jahren als Autor tätig. Entgegen den Nationalismen seiner Zeit hielt er das Verbindende der Alpe-Adria-Region stets hoch und schätzte die Bevölkerung.
Diesem außergewöhnlichen Bergliebhaber ist ein Weitwanderweg durch die Südalpen gewidmet. Der Weg durch die „Berge der Freundschaft“ wurde über die Alpenvereine der Region (ÖAV Landesverband Kärnten, CAI Friuli Venezia Julia und PZS) konzipiert und führt auf bestehenden Wanderwegen durch die drei Länder. So sollen in den teilweise wenig bekannten Regionen Impulse für eine nachhaltige Entwicklung durch naturnahen Bergtourismus gesetzt werden.
Bergsteigerdörfer am Julius Kugy-Dreiländerweg:
- Zell-Sele (Etappe 1-2, Kärnten)
- Luce (Etappe 4-5, Slowenien)
- Jezersko (Etappe 6-7, Slowenien)
- Mojstrana (Etappe 9-10, Slowenien)
- Paularo (Etappe 20, Italien)
- Lesachtal (Etappe 24-25, Kärnten)
- Mauthen (Etappe 25-26, Kärnten)
Die anspruchsvolle Routenführung in 30 Etappen, die Valentin Wulz (Alpenverein Klagenfurt) entworfen hat, ist auf alpenvereinaktiv.com zu finden. Nun wurde sie auf knapp 50 Etappen erweitert, um die Abschnitte zu erleichtern. Zudem wird an einem streckenweisen buchbaren Angebot (mit Übernachtung, Gepäckstransport etc.) gefeilt.
Freundschaftswege über den Geigelstein
Schleching und Sachrang trennt ein Berg – doch vor Ort betont man, dass der Geigelstein (1.808 m) die Orte stärker verbindet als trennt. 2017 wurden sie vom DAV gemeinsam in die Initiative Bergsteigerdörfer aufgenommen, die Verbindung reicht noch länger zurück: Seit jeher gibt es einen Austausch über die Bewirtschaftung der Almen, und seit 1991 ist ein gemeinsames Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dass der Geigelstein als Blumenberg (720 Farn- und Blütenarten zählt man hier!) mit einer naturnahen Kulturlandschaft bekannt ist, ist keine Selbstverständlichkeit. In den 1970er Jahren lösten Pläne, hier ein ausgedehntes Skigebiet zu erschließen, große Kontroversen aus; die Bürgerinitiative der Gegner setzte sich schließlich durch.
Seit letztem Herbst ist die Verbindung auch über zwei neu ausgeschilderte Wanderwege, die Freundschaftswege, sichtbar. Die anspruchsvollere Variante führt über den Gipfel des zweithöchsten der Chiemgauer Berge, vorbei an Schreckalm, Sulzingalm, Priener Hütte auf der Sachranger Seite, Wuhrsteinalm und Wirtsalm auf der Schlechinger Seite. Der schmale Steig windet sich schließlich in engen Kehren zum Gipfel, oben angekommen belohnt die Aussicht ins Chiemgau und auf das Kaisergebirge. Alternativ kann man über den Dalsensattel über die Variante Freundschaftsweg Tradition wandern, die kürzeste Verbindung zwischen den Orten. Tipp: Über den Gipfelweg starten, in Schleching bzw. Sachrang übernachten und tags drauf über den Freundschaftsweg Tradition zurückwandern.
Bergsteigerdörfer an der Via Alpina
Die Bergsteigerdörfer und die Via Alpina haben einige Gemeinsamkeiten, allen voran den Leitgedanken einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum. Damit sind beide auch als Umsetzungsprojekte der Alpenkonvention anerkannt.
Die Via Alpina bringt die acht Alpenländer zusammen und trägt zur Aufwertung des Natur- und Kulturerbes und zum Erfahrungsaustausch bei. Sie führt durch besondere Berggebiete und interessante Ortschaften, einige davon Bergsteigerdörfer. Auch bei ihnen ist sie ein verbindendes Element, so wie z.B. ihre Etappen 19 bis 25 durch Mauthen, das Lesachtal und Tiroler Gailtal. Mit der 2024 neu entstandenen roten Hauptroute der Via Alpina sind zwar einige Bergsteigerdörfer, die vorher an Varianten der Via Alpina lagen, weggefallen, aber auch Ginzling (Etappe 36-37), das Große Walsertal (Etappe 53-55) und Lauenen (Etappe 73-74, Schweiz) liegen weiterhin an der Via Alpina und bieten sich als Orte zum Verweilen an.

