Natur im Fokus
Der Kampf um das Gältetal
Es ist nicht selbstverständlich, dass der Gälteschuss in seiner heutigen Form noch existiert. 1949 reichten die Bernischen Kraftund Elektrizitätswerke der Stadt Bern ein Konzessionsgesuch ein.
Geplant war ein Projekt, das vorsah, im Rottal – zuhinterst im Gältetal – einen Stausee zu bauen und durch einen Verbindungsstollen das Wasser in den Sanetsch-Stausee zu leiten. Da die Abflussmenge nur noch sehr klein gewesen wäre, hätte dieses Projekt für den Gältebach und somit auch für den Gälteschuss das Aus bedeutet.
Die Gemeinde und Privatpersonen reichten bei der Berner Regierung Einsprache ein und es begann ein jahrelanger Kampf. Am 5. Juli 1956 lud der Gemeinderat von Lauenen den Regierungsrat, den Stadtberner Gemeinderat und den Verwaltungsrat des Elektrizitätswerks der Stadt Bern zu einer Begehung ein. Der Lauener Gemeinderat war der Meinung, dass diese Herren selbst sehen sollten, was sie mit ihrem Projekt zerstören würden.
Die Begehung verlief sehr positiv, da man sich zum Teil als Lehrer- und Schwingerkollegen schon kannte. All die Bemühungen der Lauener zahlten sich aus, denn am 5. Dezember 1956 wurde das Konzessionsgesuch abgewiesen und somit der Kampf gewonnen. Zur Feier dieser frohen Botschaft läuteten man die Kirchenglocken und 1957 wurde auf Antrag der Gemeinde Lauenen das Gältetal unter Naturschutz gestellt.
Naturschutzgebiet Rohr und Tristen
Ende 1987 wurde das Auen- und Feuchtgebiet Rohr im Talboden südlich des Dorfs vom Kanton Bern unter Schutz gestellt. Das Gebiet stellt heute den grössten, undrainierten (nicht entwässerten) Talboden im Berner Oberland dar und wurde aufgrund der vorhandenen vielfältigen Naturwerte in die jeweiligen Bundesinventare der Auengebiete, Flachmoore und Flachmoorlandschaften von nationaler Bedeutung aufgenommen. Damit bezweckt werden einerseits die Erhaltung eines botanisch wertvollen voralpinen Flachmoores, das durch regelmässige Streumahd geprägt wird, andererseits ist er auch ein bedeutender Brut- und Rastplatz für Sumpf- und Wasservögel, wo verschiedene Arten ihre höchstgelegenen Brutplätze in der Schweiz erreichen, und nicht zuletzt auch ein wichtiger Amphibienlaichplatz.
Ein weiteres Ziel der Unterschutzstellung ist die Gewährleistung der traditionellen Bewirtschaftung. Denn das heutige Erscheinungsbild des Rohrs ist das Resultat einer jahrhundertealten Tradition der herbstlichen Streumahd. Das getrocknete Mähgut wird im Herbst an Holzstangen zu sogenannten Tristen aufgeschichtet, über den Winter so gelagert, im darauffolgenden Herbst eingebracht und letztlich im Stall zum Einstreuen verwendet. Nur durch regelmässige Bewirtschaftung können die artenreichen Riedflächen erhalten werden. Deshalb hat der Kanton Bern mit den Landwirten Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen, welche die Nutzung wie beispielsweise den Schnittzeitpunkt oder ein Düngeverbot regeln. Abgegolten werden diese Leistungen und der damit verbundene Mehraufwand durch Beiträge von Bund und Kanton.
Tradition - Sufsunntig
Beginnend mit einem Gottesdienst ist der Sufsunntig ein traditionelles Bergfest, das jeden Sommer auf einigen Alpen stattfindet. Ursprünglich als Besuchssonntag der Talbauern beim gesömmerten Vieh und dem zuständigen Sennen gedacht, wurde schon vor langer Zeit bei Musik und Tanz gemütlich zusammengesessen und bei Speis und Trank gefeiert. Höhepunkt jedes Suufsunntig ist der Auftritt der geschmückten Meisterkuh auf dem Tanzboden. Auf den weit verbreiteten Gemeinschaftsalpen kommt jedes Jahr ein anderer Bauer dazu, eine seiner Kühe als Meisterkuh zu schmücken und vorzuführen. Ihm wird eine besondere Ehre zuteil: Ihm und seiner Familie wird von anwesenden Jodlerinnen und Jodlern das «Lebe Hoch» gesungen. Der so Geehrte hat noch eine weitere Aufgabe, nämlich die Spende des Weissweins, der auf dem Tanzboden den Anwesenden ausgeschenkt wird. Anschliessend wird ein traditioneller Jutz angestimmt.
Sufsunntige sind traditionelle und gemütliche Feste für Einheimische und Gäste, die oft bei Musik und Tanz bis in die späten Abendstunden dauern.









